Kategorie:Hanomag

aus AllradLKW, der freien Wissensdatenbank

Es wurde folgendes Fahrzeug angeboten:

  • Hanomag A-L 28
  • BJ: 12/64
  • Bereifung 12/80 auf Felge 9X20
  • LemmerzZulassung als Womoseit einigen Jahren abgemeldet
  • braucht Arbeit
  • Motor läuft,
  • Auto bremst.

der potentielle Käufer fragte: Und wie schaut es mit Verbrauch und Ersatzteilen aus ?


und hier die Antwort eines langjährigen Hanomag-Fahrers:


Die Firma Hanomag oder mit vollem Namen Hannoversche-Maschinenbau-Actien-Gesellschaft

wurde 1835 gegründet und war immer in Hannover-Linden beheimatet. Zunächst wurden allerlei Eisenwaren gefertigt, später dann auch Dampfmaschinen und Lokomotiven. Ganz zu anfang des letzen Jahrhunderts began Hanomag zaghaft mit der Produktion von LKWs, diese zunächst mit einer Dampfmaschine und dann ab der 30-er Jahren mit Dieselmotoren aus eigener Produktion angetiebenen Fahrzeuge erreichten nie sonderlich große Stückzahlen. In dieser Zeit wurden schon Konzepte erprobt, die bei anderen Herstellern erst viele Jahre später eingang finden sollten. So waren damalsschon modelle mit Allradantrieb und Unterflurmotor erhältlich.

Die geringe Verbreitung der Hanomag-LKWs änderte sich mit der Vorstellung des L28 in den frühen 50-er Jahren gründlich. Dieser kleine LKW im amerikanischen Alligatorhauben-Design mit 1,5 bis 3 t Zuladung wurde zu einem der meistgekauften LKWs der Wirtschaftswunderzeit. Als Motor kam ein 2,8 l 4-Zylinder-Dieselmotor aus eigener Fertigung zum Einbau, dieser leistete 50 PS.

Aus diesem sehr erfolgreichen Fahrzeug wurde der (angeblich ab 1953, mir sind jedoch nur Exemplare ab 1956 bekannt) designmäßig eng verwandte Hanomag A-L 28, also der Allrad-L 28 entwickelt. Der Motor wurde mittels anderer Einspritzpumpe, Roots-Gebläse (Auflade-und Spülluftgebläse bzw. Urgroßvater des G-Laders) und Ölkühler auf beachtliche 70 PS gesteigert. Die meisten wenn nicht sogar alle Fahrzeuge dienten zunächst dem jungen deutschen Staat in BGS und LSHD = später THW. Ein von Anfang an ziviler A-L 28 ist mir nicht bekannt. So kam es dann auch, daß diese Fahrzeuge nach 20Deinstlahren gut gepflegt und mit marginalen Kilometerleistungen ab Ende der 70-er Jahre an private verkauft wurden und dort als günstige und zuverlässige Fernreisemobile Gegenden erreichten, die sie als Behördenfahrzeug nie gesehen haben. Einige Hanos wurden anandere hilfsorganisationen abgegeben, und so sind mir auch heute (2005) noch mindestens 2 A-Ls bekannt, die nach wie vor bei Hilfsorganisationen im aktiven Einsatz stehen. Damals, also in den 80-ern war der Hano als Fernreisemobli nahezu konkurenzlos und wurde so für sehr viele zur anerkannten "Einstiegsdroge" in die Allrad-LKW-Welt. Einzig der Unimog 404S der Bundeswehr war für ähnliche Einsätze brauchbar, doch der war mit einem legendär durstigen Benzinmotor bestückt.

Vom A-L gab es bis 1963 die erste Baureihe auch A-L 28 I genannt im Urdesign, ab 1964 bis 1970 (andere Quellen behaupten gar bis 1972) wurde der technisch identische A-L 28 II in militärisch eckigem Design produziert.

Damit endet dann leider auch schon die Geschichte der fernreisetauglichen Hanomag-Allrad-LKWs.

Ende der 60-er / Anfang der 70-er Jahre wurden dann noch einige wenige (5 - 10) Prototypen eines Allrad-LKWs auf Basis des damals aktuellen F-Typs gebaut. Dabei stammen Voderachse und wohl auch das Verteilergetriebe original aus dem A-L.

1968 schlossen sich Hanomag und Henschel (Kassel)zusammen, wobei Hanomag die kleinen und hnascheldie großen LKWs zu einem Komplettsortiment beisteuerten. 1970 war aberauch diese Ära zu Ende und der gesamte LKW-Bau ging an Daimler Benz, die bis auf wenige Ausnahmen die Hanomag- und Henschelmodelle recht schnell aus dem Programm tilgten. Dieses führte leider auch dazu, daß der vorbildliche Mercedes-Ersatzteilservice nicht für Modelle der übernommemem Marken gilt.

Neben LKWs produzierte Hanomag Ackersclepper, bei denen zeitwiese die markführerschaft erreicht wurde und Baumaschinen. Die Baumaschinensparte überlebte nach einigen Wirren bis in die 1990-er Jahre und wurde dann vom japanischen Baumaschinenhersteller Komatsu übernommen, der nach längerem Übergang den Namen Hanomag kürzlich auch aus dem Programm entfernt hat.

Inhaltsverzeichnis

1 Verwendung des Fahrzeuges
2 Bereifung
3 Felgen
4 Ersatzteile

Prinzipielles zum Kauf eines alten Lasters / Vorüberlegungen

Prinzipiell ist es sehr vorteilhaft sich vor dem Kauf eines solchen Fahrzeuges einige Exemplare anzusehen, besonders eignen sich dafür die diversen Treffen, die in Internetforen wie www.maggie-deutz.de oder www.afrika-virus.de oder in den diversen Hanomag-Foren (links dorthin findest Du unter www.hano-mag-ich.com) angekündigt werden.

Dort finden sich ggf. auch Listen von Fahrzeugbesitzern in Deiner Nähe, einfach mal anmailen, die meisten zeigen gerne ihr Gefährt und auch eine Probefahrt ist so oftmals möglich. Ganz wichtig ist es dabei ein Gefühl für so eine Fahrzeug zu bekommen, entweder man lässt es sehr schnell wieder bleiben und fährt weiterhin modernes Gelumpe oder man ist dem Charme des ruppigen Alteisens hoffnungslos verfallen.

In Fachkreisen spricht man dann vom „Allrad-LKW-Virus“ dieses gilt als nicht heilbar, alleine die Anschaffung mindestens eines alten LKWs verspricht Linderung.

Verwendung des Fahrzeuges

Bevor man sich so eine(en) Laster zulegt sollte man - ja ich weiß es ist schwer jetzt noch rational zu denken – sich überlegen was man damit so anstellen will. Solle es ein Fun-Fahrzeug für´s Gelände sein, bei dem die Straßenzulassung nur dazu dient zum Gelände zu kommen, dann sind freilich ganz andere Dinge wichtig, als wie wenn es ein Wohnmobil für überwiegenden Straßenbetrieb in Europa werden soll. Prinzipiell eignet sich der Hanomag A-L 28, der seit Ende der 50-er Jahre hauptsächlich für deutsche Behörden (BGS, THW, ...) von der hanoveraner Maschinenbaufabrik HANOMAG für beide Zwecke gleich gut.

Als Pritsche oder mit leichtem Aufbau fährt er im Gelände manchem neueren Fahrzeug davon. Mit einem entsprechend großen Aufbau, als Basis eignet sich hier der weit verbreitete Koffer des THW, gibt er für 2-3 Personen ein geräumiges Womo ab. Baujahre / VariantenVom A-L 28, also der Allrad-Variante des seit Anfang der 50-er Jahre sehr erfolgreichen Kleinlasters HANOMAG L 28, gibt es 2 Varianten.

Der A-L 28 I wurde von 1953 bis 1963 gebaut, wobei mir nur Exemplare nach Bj. 1958 bekannt sind, und hatte ein kleines, gerundetes Fahrerhaus und eine ebensolche Haube. Die Haube älterer Fahrzeuge (wohl so bis 1960) trägt längs 3 Zierstreifen, wovon der mittlere in die Haube eingepresst ist, die seitlichen sind aufgesetzt. Doch hier ist Vorsicht angebracht, mir sind etliche Fahrzeuge bekannt, die mit der älteren Haube verschönert wurden. Das Design der sog. Alligatorhaube war eng an amerikanische Vorbilder aus den 30-er und 40-er Jahren angelegt. Spezifische Roststellen sind mir beim kleinen Fahrerhaus nicht bekannt. Mit den originalen Sitzen eignet sich dieses Fahrerhaus für heutige, großgewachsenen Menschen nur bedingt, und auch ich als 1,72 m Zwerg muß mich vor den Ampel verneigen um unter der niedrigen Dachkante hervorzulugen.

Seit Bj 1964 erhielt der ansonsten technisch weitgehend unveränderte A-L ein neues, größeres Fahrerhaus in militärisch eckigem Design. Dieses ist meiner Meinung nach einfach nur hässlich, biete aber auch großgewachsenen Fahrern viel Platz. Diese Version wurde bis zur Einstellung der HANOMAG-LKW Produktion im Jahre 1972 hergestellt. Somit sind mittlerweile alle A-Ls in einem Alter, das sie H-Kennzeichen-fähig macht. Dabei sind alle Blechteile (außer der Frontmaske) nicht kompatibel. Beim großen Fahrerhaus sind die hinteren Enden der Motorhaube (unmittelbar vor der A-Säule) meist durch, die Türen gammeln am unteren Ende.

Die Aufbauten wurden von diversen Aufbauherstellern (z.B. Voll, Würzburg für´s THW) erstellt. Allen ist gemeinsam, dass der Rost an der unteren Kante fleißig nagt. Auch istbei bereits ausgebauten Wohnmobilen Vorsicht angesagt, da sich in der Dämmung gerne Feuchtigkeit sammelt, die der unteren Aufbaukante dann von Innen zusetzt. Technisch sind alle Baujahre (1958 - 1970 / 72) nahezu identisch, Ersatzteile passen fast immer unabhängig vom Baujahr.

Lediglich bei der Bremse gibt es große Unterschiede, die jedoch nicht vom Baujahr, sondern primär vom Erstnutzer des Fahrzeuges abhängen. Die Fahrzeuge des THW waren mit einem Zweikreissystem, diejenigen des BGS mit einem Einkreissystem ausgerüstet. In beiden Fällen ist die Bremse eine luftdruckunterstützte Hydraulikbremse.

Prinzipiell ist die Bremse aufgebaut wie eine ganz normale Hydraulikbremse in einem PKW, die Funktion des Bremskraftverstärkers übernimmt beim A-L 28 der Hydrair. Dieses Gerät verstärkt mittels Druckluft den hydraulischen Bremsdruck so, dass annehmbare Bremswerte zu erzielen sind. Gegenüber einem modernen PKW kommt einem der Anhaltewegaber trotzdem unendlich lang vor, sodaß ein solches Fahrzeug immer sehr vorausschauend zu fahren ist.

Nun zum Preis: Was soll die Kiste denn kosten ????

Prinzipiell gibt es für solche Fahrzeuge mangels Nachfrage keinen echten Marktpreis. Von geschenkt bis 32.000 EUR (und das waren nur die Material- und Werkstattkosten, die der Verkäufer in das Auto investiert hatte) ist alles dabei. Auf e-bay sind meist 2-3 A-Ls zu verkaufen, nach einiger Beobachtungszeit bekommt man dann auch heraus was gerade für welchen Preis angeboten wird. Insgesamt ist der Zustand für den Preiswesentlich ausschlaggebender als Baujahr und Kilometerstand.

Zum Vergleich hier einige Preise von 2004:

  • 10.000 EUR sind ein guter Preis für einen Mercedes Rundhauber,
  • 4000 EUR für einen Magirus Mercur,

da sollte ein nicht fahrbereiter Hano für deutlich weniger hergehen.

Bereifung

Serienmäßig ist entweder eine Zwillingsbreifung in 6,5-20 (THW) oder eine Einzelbereifung in 10-20 M Spezial (heute 10.5 R 20) montiert. Die neuste Reifenbezeichung ist 275/80R20 . Bereifung 12/80, hatte ich lange Zeit auch, eine Größe, die sehr gut zum Hano paßt, etwas größer als die originalen 10,5-er, damit wird er dann knapp 80 km/h schnell. Leider gibt es diese Reifengröße nicht mehr, und auch früher gab es meines Wissens nur Straßenreifen dazu.

Solange es trocken ist, auch im Wüstensand (vom Vorbesitzer ausprobiert) sind diese reifen wunderbar, sobald Wasser (egal ob als Schlamm, Schnee, Eis, naße Wiese) dazukommt sind diese Reifen schnell am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt.

Felgen

9 x 20 sind die Originalen Hanomag-Einzelbereifungsfelgen. VORSICHT es gibt in dieser Dimension auch Unimogfelgen, diese können nicht wie beim Hano nötig hinten "verkehrtherum" montiert werden. Oft wurden Hanos vorne (da gehts ja) mit den billigen (35 EUR / Stück) Unimog 404S-Felgen bestückt. Das wäre für mich ein Grund den Kaufpreis zu drücken.

Zulassung als Womo ist schon mal gut. Achte jedoch darauf, daß auch eine entsprechender Ausbau vorhanden ist, denn der muß zur (Wieder-) Zulassung als Womo drin sein. Anforderungen an Womos findest Du auf www.newtonmeter.de (über maggie-deutz.com), oder in Ost-Tigers (afrika-virus) Links.

Seit einigen Jahren abgemeldet: Damit brauchst Du in jedem Falle eine Vollabnahme, ist wie eine normale TÜV-HU, es wir nur ertwas genauer hingeschaut. Am Besten vorher mit dem TÜVer Deines Vertrauens reden was der alles sehen will.

Motor läuft, ja das erwarte ich von einem Hano nicht anders !!! Das sagt aber noch nicht viel über den Zustand des Motors aus. Wenn Du hinkommst sollte der Motor kalt sein, denn beim Kaltstart offenbaren sich viele Probleme, die man nimmer merkt wenn die Karre mal tuckert.

Bremse bremst. Das würde ich sehr mit Vorsicht genießen, wenn die Karre längers stand. Meist sind die Dichtungen der Radbremszylinder oder diese selbst hin. Die Dichtungen kosten Centbeträge, die Bremszylinder EUR 150,-- bis 200,-- Und der Hano hat davon rundherum 8 Stück. Oft sind die Zylinders durch hohnen nochmal zu retten, brauchst halt jemanden, der sowas kann.

Ein Hano ist mit seinen 70 PS für mind. 4 t keine Rennauto, viel mehr eine Kiste zum gemütlichen Reisen. Meine Hausstrecke (Stuttgart-Schweizer Grenze) = 150 km fahre ich in gut 2,5 Std. Ansonsten sind eher 50 km / h als Durchschnittsreisegeschwindigkeit anzusetzen. Ich fahr mitm Hano wenns sein muß auch mal 600 km am Tag, und steige hinterher entspannter aus, wie nach der selben Strecke mitm PKW.

An die max. 78 km / h, bergauf natürlich oft viel weniger muß man sich gewöhnen, PKW die hupend überholen sollten einen nicht aus der Ruhe bringen. (dafür läuft der Hano auch in 40 Jahren noch, während so ein neues Auto bis dahin den Hochofen bereits mehrmals von Innen gesehen hat !!!)Verbrauch: zwischen 13 l / 100 km (leere Pritsche, Langstrecke) und 35 l / 100 km (Mittelgebirge, Kurzstrecke, kleine Bereifung) ist alles drin. Meiner (12/80 bzw. 9.00 Bereifung 4 - 4,5 t braucht immer deutlich unter den 20 l, im Schnitt so um die 17 l / 100 km, wobei ich selten auf extremer Kurzstrecke unterwegs bin.

Ersatzteile

Es werden weniger, Händler, wie z.B. Allrad Ruhland in München-Gröbenzell, Sahara-Willy aus Gießen und Phillip aus dem Hanfbachtal, die früher fast nur vom Hano gelebt haben sind mittlereweile geschlossen (Willy) oder haben sich auf andere, neuere Fahrzeuge spezialisiert. AMR in Lüneburg hat noch etliches, und das auch zu zivilen Preisen. Irgendwo hab ich noch immer das richtige Teil aufgetrieben, bin aber mittlerweile nach 2 Hanoschlachtungen so gut versorgt, daß ich so schnell keine Teile mehr einkaufen muß. Bei vielem paßt 60-er Jahre LKW, heute Landmaschinen-Standart. Etliches läßt sich improvisieren, anderes gibt es kaum mehr, z.B. Schalt- und Verteilergetriebe.

Mittlerweile hat sich e-bay zu einer guten Quelle gemausert, jedoch sollte man sich vorher klar sein was einem das Teil dort wert ist.Off-Road: ein serienmäßiger Hanomag A-L 28 ist einem serienmäßigen Magirus 170 D 11 (z.B. THW) im Gelände überlegen !!! Es spricht also absolut nichts gegen Geländetouren mitm Hano, dabei kommt der Appetitt auch mit dem Essen !!!! Einfach ausprobieren, und du willst es dann immer genauer wissen was die Kiste im Gelände kann. Ulf


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